Die Lehre aus diesem Ausflug: Wälder eignen sich manchmal schlecht als Abkürzung. Das musste ich auf dem Weg zu einem stillgelegten Eisenerzbergwerk bei Freiburg im Breisgau am eigenen Leib erfahren. Meine Karten-App zeigte mir einen längeren Bogen auf einem Waldweg. Ich dachte: «Ich weiss es besser. Ich gehe querfeldein. Where I’m going, I don’t need roads!»

Ja. Nun. Nachdem ich etwa fünfmal auf den Arsch gefallen war, wurde mir klar, dass der Bogen einen sanfteren Weg bergab bot als der steile Abstieg durch Äste, Brombeergestrüpp und andere offenbar feindselige Gewächse.

Schliesslich fand ich, was vom Eisenerzbergwerk Schönberg übrig ist, und mein erster Eindruck war leichte Enttäuschung. Die Beschreibung, die ich bekommen hatte, sprach von deutlichen Spuren der Bergbauinfrastruktur; ich fand nur eine Ansammlung graffitibedeckter Betonblöcke.

Überblick über das Gelände
Überblick über das Gelände -- das Ding, auf dem ich stand, entpuppte sich als der interessante Fund.

Aber mein inzwischen ziemlich schmerzender Hintern und ich hatten es bis hierher geschafft, also würde ich nicht einfach umkehren und gehen. Da war ein verlassener Ort, und enkataleiptische Forschung musste sein. Ich machte ein paar Fotos. Zuerst eine Übersichtsaufnahme, dann suchte ich nach Details. Ausser «Betonecke in Neongrün» erwartete ich eigentlich nichts zu finden – doch dann fiel mir ein alter Türangelzapfen auf. Ein ziemlich grosser alter Türangelzapfen – gross genug, um seinerzeit eine recht massive Tür getragen zu haben.

Türangelzapfen
Ein ziemlich grosser Türangelzapfen

Dieser Zapfen machte mich neugierig. Besonders, als mir auffiel, dass die Wand dahinter eine eigenartige Form hatte: Sie war gewölbt. Viel war nicht mehr davon übrig, aber das, was noch da war, war keine normale Gebäudewand, sondern sah viel eher nach einem Stolleneingang aus. Die Wölbung war beabsichtigt; die Abdrücke der Schalungsbretter waren noch deutlich zu erkennen.

Gewölbe
Hinweis auf einen ehemaligen Stollen?

Hier begann die Recherche. Ich wusste nur, dass hier irgendeine Art von Bergwerk gewesen war, kannte den Namen eines seiner Schächte (Mösleschacht) und hatte die Koordinaten. Das führte mich zu einem Plan des ehemaligen Eisenerzbergwerks Schönberg. Und tatsächlich: Als ich den Plan mit den Höhenlinien, den Wegen in der Umgebung und den Gebäuderesten verglich, konnte ich feststellen, dass dieses Stück Betongewölbe einst der Eingang zum Hauptstollen gewesen war – auf dem Plan hellblau eingezeichnet und ungefähr nach Nordwesten verlaufend.

Grubenplan
Eisenerzbergwerk Schönberg

Der Plan ist in der Public Domain. Mit dabei war ein Link zu seiner ursprünglichen Website, die vor mehr als zwanzig Jahren veröffentlicht wurde und auch so aussieht: Alles schwarz, neongrüner Text, «Best viewed with Firefox» und ein etwas später hinzugefügtes «Je suis Charlie». Ich werde nicht wiederholen, was dort über das Bergwerk steht; das könnt ihr hier selbst nachlesen.

Die Recherche zu diesem Ort brachte mich auf das Motto von Baumann Enkataleiptics: «Dokumentieren, was bleibt». Im Moment sind der Plan, die alte Website – selbst ein erhaltenes Artefakt, samt den Moden und den im Laufe der Zeit angesammelten Ergänzungen ihrer Epoche – und der Beton im Wald noch zu finden. Indem ich sie hier zusammenbringe, schaffe ich eine weitere kleine Spur des alten Eisenerzbergwerks – eine Erinnerung daran, wie ich einen Wald hinunterrutschte, zunächst etwas enttäuscht war und dann entdeckte, dass es doch etwas zu beschreiben gab.

Auf dem Rückweg nach oben nahm ich keine Abkürzungen. Lektion gelernt.