Denkmal für den Aufstand der Bevölkerung von Kordun und Banija
Denkmal für den Aufstand der Bevölkerung von Kordun und Banija
Über das Denkmal für den Aufstand der Bevölkerung von Kordun und Banija liesse sich vieles schreiben. Vieles ist auch bereits geschrieben worden über das Denkmal für … hmm, ich nenne es einfach das Monument – das erspart mir einiges an Tipparbeit.
Da bereits so viel darüber geschrieben wurde, werde ich den Zweck des Monuments, seine Baugeschichte und dergleichen hier nicht wiederholen – all das ist auf Wikipedia zu finden.
Ich erreichte das Monument früh am Morgen und war der einzige Mensch dort. Als ich mich ihm vom Parkplatz aus näherte, verstand ich sofort die Wirkung, die Vojin Bakić bei seinem Entwurf im Sinn gehabt hatte. Vom Besucherzentrum, das längst fast aller brauchbaren Materialien beraubt ist, stieg ich die Treppe zum Monument hinauf. Obwohl es bereits vom Parkplatz aus sichtbar ist, verschwindet es beim Aufstieg kurz aus dem Blick, um sich dann plötzlich wieder eindrucksvoll zu enthüllen – davor das kreisrunde symbolische Grab aus Granit.
Quellen bezeichnen dieses als Grobnica – wörtlich „Grab“ –, doch keine der von mir gefundenen Quellen sagt, wessen sterbliche Überreste es allenfalls enthält. Am Tag meines Besuchs war es mit frischen Blumen geschmückt. Offenbar gibt es also noch immer Menschen, die das Monument seinem ursprünglichen Zweck entsprechend nutzen: als Ort des Gedenkens an die Gefallenen.
Was mir bei meinem Besuch sonst noch auffiel, steht in den Beschreibungen zu den Fotos – man kann sie anklicken, um sie im Vollbildmodus zu öffnen, und, sofern vorhanden, „weiterlesen“ auswählen.

Wie sich das Monument beim Aufstieg über die Treppe enthüllt
Ich kann mir nur vorstellen, wie sich dieser Anblick angefühlt haben muss, als noch alle Stahlplatten vorhanden waren und sich die Landschaft in den Wänden des Monuments spiegelte.
Selbst jetzt, da etwa die Hälfte der Stahlplatten fehlt, ist die Wirkung atemberaubend.

Eine Herausforderung …
… die mir an diesem Ort stärker begegnet ist als sonst, lautet: Wie vermittelt man auf Fotografien die tatsächlichen Dimensionen? Ja, das Monument sieht gross aus. Was dieses Bild nicht vermitteln kann, ist der gewaltige Wow-Moment, wenn man zwischen die äusseren Flügel tritt.
Das nächste Bild liefert ein wenig Grössenvergleich.

Haupteingang
Diesen Teil konnte man bereits auf dem vorherigen Foto sehen. Das ist der Haupteingang. Wir alle wissen ungefähr, wie gross eine Tür normalerweise ist – damit hat man den versprochenen Grössenvergleich.
Auf dem vorherigen Bild lässt sich erkennen, wie gross die Tür im Verhältnis zum gesamten Bauwerk ist.

Vandalismus
Während des Kroatienkriegs wurde das Monument militärisch genutzt. Nachdem das Gebiet 1991 unter serbische Kontrolle geraten war, machte die Jugoslawische Volksarmee das Monument und den umliegenden Gedenkpark zu einer militärischen Anlage.
Heute ist davon im Gebäude nichts mehr zu erkennen; der Innenraum wurde so gründlich ausgeschlachtet, dass ich keine offensichtlichen Spuren seiner Nutzung im Krieg finden konnte.
Auch die Einschussstellen an der Aussenseite wirken nicht gerade wie Überreste dieser Kämpfe. Was ich gesehen habe, sind kleine, flache Dellen statt Durchschüsse; aus eigener Erfahrung entsprechen sie nicht dem, was ich von Gewehrfeuer erwarten würde.
Sie scheinen daher eher zur deutlich längeren Nachkriegsgeschichte des Monuments zu gehören – zur Geschichte von Menschen, die auf Dinge schiessen, einfach weil sie es können.
Mit anderen Worten: noch mehr Idioten.

Im Inneren
Die Eingangstür ist verschlossen. Da aber so viele Verkleidungsplatten entfernt wurden, gelangt man trotzdem problemlos ins Innere des Bauwerks. Mich hat überrascht, wie organisch manche Bereiche wirken. Einige der inneren Strukturen scheinen eher gewachsen als gebaut zu sein.
Das Innere ist fast vollständig leer, abgesehen von etwas Schutt und verbogenem Metall, das die Plünderer hinterlassen haben, die die Stahlplatten entfernten. Von den Ausstellungen oder der Infrastruktur, die das Gebäude ursprünglich beherbergte, ist nichts mehr zu sehen.

Fenster? Ursprünglich nicht …
Was Besucher des Monuments oft vergessen: Wären die Stahlplatten nicht entfernt worden, gäbe es im Inneren nur sehr wenig Tageslicht. Das gesamte Gebäude hatte keine Fenster in den Wänden; das einzige natürliche Licht fiel durch runde Oberlichter in den Decken ein.
Die schönen Ausblicke durch die Wände sind ausschliesslich dem heutigen, entkleideten Zustand des Monuments zu verdanken.

Die Geschichte zweier Petrovacs
Von der ehemaligen Aussichtsplattform, rund 540 Meter über dem Meeresspiegel, reicht der Blick über weite Teile Zentralkroatiens und bei klarem Wetter bis in Richtung Zagreb, Slowenien sowie Bosnien und Herzegowina. Der geometrische Horizont liegt etwa 80 bis 90 Kilometer entfernt, während ferne Berge noch aus erheblich grösserer Entfernung sichtbar sein können.
Ein etwas merkwürdiges Detail: Das Monument steht gar nicht auf dem höchsten Punkt der Petrova Gora. Es befindet sich auf dem Mali Petrovac, etwa 507 Meter über dem Meeresspiegel, während der nahe Veliki Petrovac mit ganzen fünf Metern Vorsprung gewinnt. Erstaunlich viele Publikationen stellen das falsch dar und verorten das Monument stattdessen auf dem Veliki Petrovac – darunter auch Wikipedia, das sich sogar selbst widerspricht. Die Seite über das Monument platziert es auf dem Veliki Petrovac, während die Seite über die Petrova Gora korrekt den Mali Petrovac nennt.
Oben traf ich zwei tschechische Forstwissenschaftler. Meine ungläubige Reaktion verwirrte sie zunächst ziemlich – „Ein seltsamer Ort dafür. Hier gibt es doch kaum Wald.“

Ich weiss …
Jeder macht dieses Foto. Also musste ich es auch machen.

Die Heizungsanlage
Etwas ist mir an mehreren verlassenen Orten aufgefallen, die ich besucht habe: Eines der letzten Dinge, die verschwinden – wenn sie überhaupt verschwinden –, ist die Heizungsanlage. Das Monument bildet keine Ausnahme. Zwei grosse ölbefeuerte Heizkessel und ein Gewirr aus Rohrleitungen kauern noch immer im Keller: verrostet und weitgehend ihrer Einzelteile beraubt, aber nach wie vor beschriftet und datiert.
Mit jeweils 582 kW waren dies eindeutig industrielle und keine häuslichen Heizgeräte. Zusammen konnten sie deutlich mehr als ein Megawatt Wärme erzeugen – eine beachtliche Menge an Technik, die unter dem verborgen liegt, was die meisten Besucher vermutlich nur als Monument wahrnehmen.

Relikte im Keller
Dies ist eines meiner Lieblingsbilder, die ich im Monument aufgenommen habe. Ich weiss nicht genau, was darauf zu sehen ist, ausser dass es sich um die Überreste irgendeiner Anlage in der Mitte des Kellers handeln muss.
Der Keller. Weder das Wort noch – wieder einmal – das Foto können wirklich vermitteln, was ich vorfand, als ich die Treppe hinunterstieg. Das Monument selbst ist gross. Der Keller ist grösser. Plötzlich wirkt das Monument wie ein vergleichsweise kleines Bauwerk, das auf einem höhlenartigen, mehrstöckigen Hohlraum sitzt.
Dieses Foto entstand einzig mit dem winzigen bisschen Tageslicht, das bis dort hinunterdrang – die Belichtungszeit betrug eine halbe Minute. Das Licht von links kommt vom Kellerausgang, der unterhalb des Monuments seitlich aus dem Hügel führt.

Drehtüren
Wieder draussen und hinunter ins ehemalige Besucherzentrum. Wie erwähnt, ist von der Infrastruktur nicht mehr viel übrig, abgesehen von einer grossen zentralen Theke und einigen Bänken ringsherum.
Sehr gut zu erkennen ist noch, dass das Besucherzentrum einst Glaswände und Drehtüren hatte. Die Metallrahmen sind ebenso erhalten wie die unteren Teile der Türmechanik. Das Glas hingegen ist vollständig verschwunden – nicht einmal Scherben sind übrig.

Die Theke
Als der Regen einsetzte, erwies sich wenigstens das Dach noch als wasserdicht. Die verbliebenen Bänke boten einen einladenden Platz, um den Gaskocher auszupacken und Mittagessen zuzubereiten. Leider hatte die mitgebrachte Gaskartusche andere Pläne und wollte nicht auf den Kocher passen. Wie ich in den nächsten Tagen herausfand, scheint Zentralkroatien nur eine Sorte Gaskartusche zu kennen: die falsche.
Aber auch ein kaltes Mittagessen war durchaus willkommen.